Wiederaufbau der Alten Synagoge Stavenhagen

Verfall und Rettung der Synagoge

Nach Carl Dubberts Tod 1952 wurde die Synagoge weiter zum Lagern von Holz und als Werkstatt benutzt. Seit 1986 standen Synagoge und Vorderhaus leer und blieben dem Verfall überlassen. Noch zu DDR-Zeiten wurde die Synagoge allerdings unter Denkmalschutz gestellt und man fertigte eine bautechnische Dokumentation an. Die jüdischen Spuren in Stavenhagen drohten dennoch vergessen zu werden und die Synagoge wurde lediglich als marodes und baufälliges Gebäude wahrgenommen.

Da die Jewish Claims Conference keine Ansprüche auf die Synagoge oder das Rabbinerhaus geltend machte, wurden diese 1994 auf die Erbengemeinschaft von Carl Dubbert übertragen und von dieser auf seine Enkelin Rosemarie Rieger. Die Synagoge verfiel weiter und drohte völlig einzustürzen, bis 1996 auf Kosten der Stadt Stavenhagen eine Notsicherung unternommen wurde. Die dabei abgetragene Südwand wurde großenteils eingelagert und konnte beim Wiederaufbau integriert werden. Rosemarie Rieger sanierte das baufällige Vorderhaus, für den Wiederaufbau der Synagoge fand sich jedoch lange keine Lösung.
Schließlich gründete sich am 30. Mai 2011 der Verein „Alte Synagoge Stavenhagen e.V.“, eines der Gründungsmitglieder war Rosemarie Rieger.  Sie übertrug dem Verein das Erbpachtbaurecht über das Synagogengrundstück, was mit der Zweckbestimmung verbunden wurde, das Gebäude wieder so herzurichten, dass es dem Gedenken an die Juden Stavenhagens dient und für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden.

In den Jahren 2011 und 2012 konnte der Verein die für den ersten Bauabschnitt nötigen Fördermittel in Höhe von 240.000€ einwerben und zwar beim LEADER –Programm zur Entwicklung des ländlichen Raumes, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und beim Landesdenkmalamt Mecklenburg-Vorpommern. Mit der denkmalgerechten Sanierung der Synagoge wurden die Architekten Andrea Ruiken und Michael Vetter beauftragt, die bereits die Synagoge in Röbel wiederhergestellt hatten. Im Dezember 2012 fand der feierliche Auftakt zum Wiederaufbau statt und nach dem langen Winter konnte im April 2013 endlich mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die äußere Hülle der Synagoge wurde wieder hergerichtet, wobei für die Außenwände und bei der Dachdeckung auch geborgene und aufgearbeitete originale Materialien wiederverwendet wurden, was den Denkmalwert des rekonstruierten Gebäudes erheblich erhöht. Bei der öffentlichen Mitgliederversammlung des Vereins am 9. November 2013 konnten die zahlreichen Besucher und Besucherinnen erstmals den Synagogenraum betreten und sich von den Baufortschritten überzeugen.
Von November 2013 bis Juni 2015 stagnierten die Bauarbeiten, weil sich die Bereitstellung der Finanzmittel für den nächsten Bauabschnitt (kalkuliert wurden wiederum 240.000€) verzögerte. Erst im Juni 2015 wurden die in Aussicht gestellten Mittel aus dem Denkmalschutzsonderprogramm der Bundesregierung bewilligt, als Kofinanzierung standen erneut Gelder aus dem LEADER-Programm und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zu Verfügung. Die Hoffnung auf Landesmittel zerschlug sich, aber dem Verein gelang es, genügend Spenden bei Privatpersonen einzuwerben. Die Instandsetzung  des Innenraums ging dann zügig voran. Das Deckengewölbe wurde mit Holz ausgebaut, der Fußboden ausgehoben und teils mit den alten, geborgenen, teils mit zugekauften Ziegeln belegt und der historische Lehmputz auf den Fachwerkmauern aufgebracht. Im Anschluss wurden die bleiverglasten Flügelfenster und das Rundfenster mit Davidsstern eingesetzt, die Frauenempore wiedererrichtet und die Wege um die Synagoge herum mit Granit gepflastert.

Erwerb und Umbau des Hauses Malchiner Straße 34

Um die wiederaufgebaute Synagoge für kulturelle Veranstaltungen und für die Bildungs- und Jugendarbeit nutzen zu können, hat der Verein das kleine leerstehende Haus Malchiner Straße 34 gekauft. Im Erdgeschoss wurden die erforderlichen Toiletten und eine Teeküche eingerichtet, im Obergeschoss ein kleiner Versammlungs- und ein Büroraum eingebaut. Der direkte Weg von der Ostpforte der Synagoge durch den Hofgarten wurde dank der Großzügigkeit der Nachbarinnen Adelheid und Silvia Waldau möglich, die dem Verein den hinteren Teil ihres Hausgrundstücks in der Malchiner Straße 36 geschenkt hat. Hierfür gebührt ihr großer Dank.

Mit dem Umbau des Hauses wurde der Stavenhagener Architekt Hans-Dieter Albrecht beauftragt, die aufwändige barrierefreien Grundstücksgestaltung verantwortete der  Landschaftsarchitekt Tom Knoche aus Neukalen. Finanziert wurde das auf ca. 210.000€ bezifferte Projekt aus dem Landeshaushalt, Mitteln der Städtebauförderung und durch die Jost-Reinhold-Stiftung, Ankershagen. Wiederum musste der Verein beträchtliche Eigenmittel aufbringen, die durch Eigenleistungen bei der Bepflanzung etwas verringert wurden.

In allen Bauabschnitten leisteten Jugendliche tatkräftige Hilfe, für die wir herzlich danken. Das gesamte Baugeschehen kann durch die reich bebilderten Newsletter nachvollzogen werden (zu finden im Menüpunkt „Verein“).